Drama-Spiele
Da ich in den letzten Tagen viel in einem Thread im Lebensfragen-Forum geschrieben habe zu dieser Thematik, möchte ich meine entsprechenden Beiträge auch hier auszugsweise rein stellen.
Konkretes Beispiel war ein cholerischer Anfall des Chefs, wo XXX meinte:
Bei seinem ersten cholerischen Anfall sah ich in ihm das, was er tatsächlich darstellte: Einen Menschen, der sich nicht verstanden fühlt und deshalb brüllen muss.
Beim Dramadreieck geht es nicht so sehr um das Verhalten, sondern um die innere Einstellung. Betrachten wir mal die Chefsituation aus den 3 Perspektiven
Täter – wenn der Chef seinen Anfall bekommt geht der Täter – im Extremfall her – und läßt ihn einweisen.
Opfer – glaubt, nichts verändern zu können und ergibt sich dem Schicksal, bzw. sucht sich einen
Retter – der das arme Opfer gegen den Chef verteidigt.
In dem Fall ist der Chef der böse Täter, die Kollegen die Opfer und XXX wurde zum Retter erkoren.
In der Transaktionsanalyse geht es nun darum, aus den hier geschilderten drama-tischen Positionen aus steigen zu lernen
Ein Fortschreiten ist immer möglich, wenn mans schafft, sich nicht automatisch ins Drama reinziehen zu lassen. Klar, wenn die Opferrolle von klein an gelernt und als für sich selbst unbewusst als „beste Wahl“ gesehen wird, ist es schwer, diese Dramaspielchen ab zu legen.
Wenn jemand sich in der Opferposition am wohlsten fühlt, ist das genauso ok, wie wenn er sich dauernd im Rettersyndrom selbst aufreibt.
Das ist genau das, was ich schon irgendwo angesprochen hatte – ich spiel auch gern mal Drama – aber ich hab mich jahrelang drin geschult, es relativ rasch zu erkennen – und entscheide selbst, wie lange ich „mitspiele“.
Manchmal ist Opfer ja ganz schön und bringt auch viel Aufmerksamkeit, oder auch das Ausleben des Rettersyndroms ist oftmals sehr verlockend. Das einzige, was mir persönlich gar nicht liegt, ist das dramatische „Täter sein“.
Aber es gibt alle drei Positionen natürlich auch ohne Drama. Im Trinergy® nenne wir die transformierten Positionen dann
Täter ==> Macher
Opfer ==> Muse
Retter => MentorIch glaub, man merkt schon an den Begriffen, dass es dabei einfach um eine andere Qualtität des „Er-Lebens“ geht.
Aber solange jemand in der Opferposition fest sitzt hat sie/er keine Chance auf Veränderung – das ist eben genau das Drama – wenn sie/er sich die Möglichkeit zugesteht, aus dem Opfer zur Muse zu werden, dann können und dürfen die kreativen Lösungsideen fließen – und sich auch verwirklichen.
Da spielt natürlich auch das schon angesprochene problem- und lösungsorientiert mit – Problemorientierung deutet immer auf eher Drama hin – und Lösungsorientierung eher auf transformiert und aus dem Dramaspiel ausgestiegen.
Klar, niemand ist immer dramafrei – aber es geht ums bewusste Wahrnehmen, was gerade läuft – und sobald ich das tu, kann ichs ver-ändern – immer. Ich kann – muss aber nicht – und beides ist ok, so wie es ist.
Also für mich ist immer das wichtigste, zu erkennen, was grad läuft, was grad gespielt wird – ist nicht immer einfach – und manchmal denk ich auch nicht dran – wichtig ist, mir deswegen auch selbst kein Drama zu machen, weil ichs mal nicht gemerkt habe.
Persönliches Beispiel – meine letzte Ehe – alles bestens – wir leben glücklich und zufrieden – irgendwann werden die Reserven knapp – ich re-agiere automatisch durch mehr Arbeit und mach mir selbst Druck, bis es eskaliert und ich einen Nervenzusammenbruch habe (nach 2 Jahren).
Dadurch merke ich, dass ich „allein“ bin mit meinen Problemen, dass ich zwar in einer Partnerschaft lebe, aber irgendwie nichts zurück bekomme. Und ich hadere mit dem Schicksal – wies eh schon ausführlich beschrieben wurde – warum immer ich – und überhaupt.
Doch ich weiß auch, davon wirds jetzt sicher nicht besser, denn, wenn ich nichts ändere, wird sich auch nichts ändern – also suche ich vorab mal das Gespräch – und nochmal – und nochmal – das Ganze zieht sich über ca. ein halbes Jahr – beim nächsten Crash stand ich auf und ging.
Dann kamen die ganzen realen Arbeiten, die mir noch wichtig waren, um mich lösen und trennen zu können. Doch das eigentlich wichtigste an der ganzen Situation war eine Frage, die mir eine gute Freundin stellt, als ich rum jammerte, dass mich mein Mann ignoriert und mich wie Dreck behandelt:
Wer ignoriert deine Bedürfnisse und behandelt dich wie Dreck?
Diese Frage stellte sie mir 3x hintereinander – ließ meine Antwort nicht gelten, sondern stellte die Frag wieder und wieder – und dann kam mein persönliches Aha-Erlebnis:
Solange ich es mir selbst nicht Wert bin, wertgeschätzt zu werden
Solange ich mit meinem Körper Schindluder treibe
Solange ich meine Bedürfnisse nicht sehen will
Wer sonst sollte mir das geben können, was ich mir selbst nicht zugestehe?
Und ich persönlich hab „einfach“ begonnen, auf meine Bedürfnisse zu achten – mir längere Schaumbäder zu gönnen – dazu zu stehen, dass ich eben nicht in Urlaub fliegen will – und irgendwann war der Moment „reif“, die Konsequenzen zu ziehen und mich auch real zu trennen.
Voriges Jahr, als das alles begann, war ich, in Bezug zu dieser Thematik, Opfer – ich wars schon länger, aber ich merkte es nicht, bis zum ersten heftigeren Crash – danach wurde es mir bewusst – und ich konnte es ändern.
Solange ich in der Situation drin stecke und es nicht be-merke, solange bin ich handlungsunfähig. Erst, wenn ich meine aktuelle Rolle wahr-nehme, kann ich bewusst ent-scheiden, ob ichs mir noch eine Zeit lang weiter gönne – oder gleich ver-ändere.
Und alles darf sein – für mich – in mir – weil ich es auch gelernt habe, mein inneres Drama nicht mehr aus zu leben.
Und das drüber nachgrübeln, warum und weshalb und was wäre, wenn es ganz anders gewesen wäre – das ist auch oft ein Dramaspiel – mein eigenes – ganz tief in mir – nennt sich auch innerer Dialog – wird dadurch aber nicht weniger dramatisch, wenn ich grad im Opfer festsitze.
Ich schreib von mir, weil es für mich so ist – muss jetzt nicht für euch auch so sein.
Wenn ich jetzt von der Chefrolle ausgehe – und vom inneren Dialog – und dabei drauf komme, dass ich eben grad Opfer bin und Drama spiele – dann würde ich persönlich überlegen, wie würde ich gerne das nächste Mal re-agieren – und mir dann eben Lösungsmöglichkeiten einfallen lassen, wie ich zu einem anderen Ergebnis kommen könnte.
Merkt ihr den Unterschied – wenn ich grüble, warum der Chef so „böse“ ist, bin ich lösungsorientiert und spiele Drama – wenn ichs „umdrehe“ und sage, „wie hätte ich es gerne statt dessen?“ dann orientiere ich mich an der Lösung und komm auch aus dem Drama raus – weil ich nicht mehr Opfer bin, sondern die Muse, die mir neue Ideen schenkt.
Wobei noch etwas ist mir persönlich bei derartigen Situationen immer wieder passiert – und ich geh mal davon aus, XXXs Beispiel geht in eine ähnliche Richtung – manchmal „passiert“ dann sowas gar nicht mehr – bei ihr wars, weil der Chef merkte, dass er gesehen wird – bei mir wars oft so, weil ich nach den Überlegungen – wie möchte ich gerne re-agieren, wenns wieder passiert – einfach gleich viel selbstbewusster auftrat beim nächsten Mal.
Ja, auch das ist ein innerer Dialog – aber dann eben ein lösungsorientierter und undramatischer
Ich spiel nicht bewusst Drama, aber wenn ich eine sogenannte „Dramaeinladung“ bekomme – und unbewusst drauf einsteige – und dann merke – halt, ich spiel Drama – dann entscheide ich mich manchmal schon, noch ne Runde im Karussell mit zu fahren
![]()
Wobei es dann für mich auch oft eben sehr lehrreich ist, wie es weiter geht – und ich dann für mich selbst wieder einiges raus nehme, was mir in Zukunft dann was bringt, immer schneller drauf zu kommen – und auch raus zu kommen – wenn ich mich ins Drama verstricken lasse.
Wirklich ein Drama bewusst provozieren schaff ich auch nicht – ich kipp halt manchmal rein – und dann steh ich vor der Entscheidung – gleich raus – oder noch abwarten und weiter spielen.
Wobei es für mich eben ganz wichtig ist, zuerst am eigenen Drama zu arbeiten – dies immer schneller zu erkennen – stopp zu sagen – und mich dem zu zu wenden, was ich gerne statt dessen haben möchte.

[...] Drama-Spiele [...]
Pingback von All.parteilichkeit « Seelenheil | Februar 13, 2009 |